Theater Münster | nachtkritik.de
Daniel Johnston
Published Apr 14, 2026
Viel Blut auf weißem Nachthemd
von Anna Landefeld
Münster / Online, 5. Juni 2021. Aus schwarzer Unschärfe kommt sie auf uns zu. Leicht wankend, leicht gebückt die Arme ausgebreitet, als wolle sie uns gleich überwältigen und mit ihrem violetten Mantel verschlucken. Näher kommt sie, diese Gestalt mit dem silbernen Haar, dem bleichen Gesicht und dem mythisch-gekrönten Haupt. Wer ist sie? Sie wird uns warnen, noch bevor es richtig losgeht: "Denn ich bin all das, was Sie befürchten." Die Augen weißäpfelig, auf der Stirn starrt das dritte in Auge in blau. Die Geschichte, raunt die Heidnische dunkel, sei immer die Geschichte der Helden, der Gewalt, und wer diese habe, habe die Macht. Kurzum: nicht die Frauen*. Die wurden über Jahrhunderte christlich-patriarchal geframed und in zwei Kategorien eingeteilt: Jungfrau oder Hure? Unbefleckte Gottesmutter Maria oder sündige Maria Magdalena, Zeugin von Jesus' Tod und Auferstehung.