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Wiener Festwochen | nachtkritik.de

Author

Daniel Johnston

Published Apr 14, 2026

Mehr sein als Hüter von Büchern und Enkeln 

alt

von Reinhard Kriechbaum

Wien, 13. Mai 2012. Die wackeren Oldies waren, wenn's wahr ist, aus anderem Schrot und Korn: So jedenfalls lautet ihre Selbsteinschätzung angesichts der deutlich leiseren jüngeren Generationen. Die wahren Kerle also, das waren die Alten. Politisch engagiert gingen sie auf die Straße, wenn's sein musste. Die Südamerikanerin Lola Arias hat genauer hingeschaut – und als erstes ausgerechnet eine Trantüte entdeckt. Nein, das ist zu deftig formuliert. Die ältere Dame, ihre Mutter, ist wirklich krank, ertränkt von der sprichwörtlichen schwarzen Galle, der Melancholie. Wann deren Pegelstand gestiegen ist? 1976, nach dem Militärputsch in Argentinien. Die Regisseurin/Autorin Lola Arias ist im gleichen Jahr zur Welt gekommen, und sie argwöhnte, womöglich selbst Ursache der mütterlichen Depression zu sein. Das war sie definitiv nicht. Im Stück, einem Schreibauftrag der Wiener Festwochen, kommen Kommentare zur politischen Lage von damals leider nicht mal in Spurenelementen vor.